Wenn Menschen an Schimmel denken, stellen sie sich oft einen schwarzen Fleck an der Wand vor. In Wirklichkeit ist Schimmel jedoch keine einzelne Substanz, sondern eine große Gruppe unterschiedlicher Pilze mit verschiedenen Eigenschaften.
Einige Arten sind vor allem starke Allergieauslöser. Andere gelten als Hinweise auf versteckte Wasserschäden. Wieder andere können Mykotoxine produzieren oder mit chronischen Feuchtigkeitsproblemen in Gebäuden verbunden sein.
Wer Schimmel verstehen möchte, sollte deshalb die häufigsten Innenraumpilze kennen.
Aspergillus – der Reizstoff für die Atemwege
Aspergillus gehört zu den häufigsten Schimmelpilzen in Innenräumen. Seine Sporen sind sehr klein und können tief in die Atemwege gelangen.
Besonders häufig wird Aspergillus mit Beschwerden wie:
- chronischer Nasennebenhöhlenreizung
- Husten
- Atemwegsbeschwerden
- allergischen Reaktionen
in Verbindung gebracht.
Einige Aspergillus-Arten können außerdem Mykotoxine wie Ochratoxin A oder Aflatoxine bilden. Diese Stoffe werden intensiv erforscht, da sie biologische Prozesse im Körper beeinflussen können.
Menschen berichten häufig, dass sich Beschwerden in feuchten Gebäuden verschlechtern und außerhalb der belasteten Umgebung teilweise bessern.
Penicillium – der Immunaktivierer
Penicillium ist vielen durch das Penicillin bekannt. In Gebäuden verhält sich dieser Schimmelpilz jedoch anders.
Er wächst bevorzugt auf feuchten Materialien und kann große Mengen an Sporen freisetzen.
Betroffene berichten häufig über:
- Allergien
- chronische Verstopfung der Nase
- Druckgefühl in den Nebenhöhlen
- Histaminprobleme
- neu auftretende Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Da Penicillium sehr leicht sporuliert, kann er die Raumluft erheblich belasten, selbst wenn nur relativ kleine Befallsflächen vorhanden sind.
Chaetomium – der Hinweis auf versteckte Wasserschäden
Chaetomium wird häufig nach länger bestehenden Feuchtigkeitsschäden gefunden.
Dieser Schimmelpilz wächst bevorzugt auf:
- Gipskartonplatten
- Tapeten
- Holz
- anderen zellulosehaltigen Materialien
Sein Nachweis gilt oft als Hinweis darauf, dass ein Wasserschaden bereits über längere Zeit besteht oder bestanden hat.
In der Umweltmedizin wird Chaetomium häufig bei Gebäuden mit verdeckten Feuchtigkeitsproblemen beschrieben.
Besonders problematisch ist, dass sich der Befall oft hinter Wänden, unter Böden oder in Hohlräumen befindet und deshalb lange unentdeckt bleibt.
Cladosporium – der stille Begleiter
Cladosporium gehört zu den häufigsten Schimmelpilzen überhaupt.
Er kommt sowohl draußen als auch in Innenräumen vor und wird deshalb oft unterschätzt.
Menschen mit einer Sensibilisierung reagieren häufig mit:
- Niesreiz
- verstopfter Nase
- Augenreizungen
- Hautbeschwerden
- saisonähnlichen Allergiesymptomen
Da Cladosporium praktisch ganzjährig vorkommen kann, wird die Belastung oft mit normalen Umweltallergien verwechselt.
Stachybotrys – der Indikator für massive Feuchtigkeit
Stachybotrys chartarum wird häufig als „Schwarzschimmel“ bezeichnet.
Er benötigt dauerhaft feuchte Bedingungen und wächst bevorzugt auf stark wassergeschädigten Materialien.
Findet man Stachybotrys, deutet dies häufig auf ein erhebliches Feuchtigkeitsproblem hin.
Dieser Pilz kann Trichothecen-Mykotoxine bilden, die seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind.
Wichtig ist jedoch:
Nicht jeder Kontakt mit Stachybotrys führt automatisch zu schweren gesundheitlichen Folgen. Die tatsächliche Belastung hängt von vielen Faktoren ab, darunter Befallsgröße, Expositionsdauer, individuelle Empfindlichkeit und die Gesamtsituation des Gebäudes.
Sichtbarer Schimmel ist oft nur die Spitze des Eisbergs
Viele Menschen suchen nach schwarzen Flecken an Wänden.
In der Praxis befinden sich relevante Belastungen jedoch häufig:
- hinter Trockenbauwänden
- unter Bodenbelägen
- in Deckenkonstruktionen
- nach Wasserschäden in Bauteilen
- in Lüftungs- und Klimasystemen
Deshalb kann eine Wohnung äußerlich vollkommen unauffällig wirken und dennoch ein Feuchtigkeits- oder Schimmelproblem aufweisen.
Warum die Schimmelart allein nicht alles erklärt
Viele Betroffene möchten wissen, welche Schimmelart „am schlimmsten“ ist.
Die Realität ist komplexer.
Entscheidend sind unter anderem:
- die gesamte mikrobielle Belastung
- die Menge der Sporen
- mögliche Mykotoxine
- bakterielle Begleitbelastungen
- die Dauer der Exposition
- individuelle genetische und gesundheitliche Faktoren
Oft ist nicht eine einzelne Schimmelart das Problem, sondern die Kombination verschiedener Belastungen in einem feuchten Gebäude.
Fazit
Aspergillus, Penicillium, Chaetomium, Cladosporium und Stachybotrys gehören zu den Schimmelpilzen, die in Innenräumen besonders häufig diskutiert werden.
Jede Art hat ihre eigenen Eigenschaften. Manche sind starke Allergene, andere weisen auf versteckte Wasserschäden hin und einige können Mykotoxine produzieren.
Wichtiger als die Frage „Welcher Schimmel ist der gefährlichste?“ ist häufig die Frage:
Warum wächst Schimmel überhaupt in diesem Gebäude?


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