Die meisten Menschen kennen Borreliose oder haben zumindest schon einmal davon gehört.
Wer einen Zeckenstich bemerkt, achtet auf eine Wanderröte, beobachtet mögliche Symptome und hofft, dass nichts passiert. Doch Zecken können weit mehr übertragen als nur Borrelien und nicht jede Infektion verursacht überhaupt eine Wanderröte.
Tatsächlich tragen viele Zecken gleichzeitig verschiedene Erreger in sich. Gelangen mehrere davon bei einem Stich in den Körper, spricht man von sogenannten Co-Infektionen. Diese können Beschwerden verstärken, die Diagnostik erschweren und dazu führen, dass Betroffene jahrelang nach Antworten suchen.
Während Borreliose mittlerweile relativ bekannt ist, haben die wenigsten Menschen schon einmal von Babesiose, Bartonellose oder Anaplasmose gehört. Dabei können genau diese Infektionen eine entscheidende Rolle spielen.
Borreliose: Der bekannteste Zeckenerreger
Borreliose wird durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht und gehört zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Infektionskrankheiten in Europa.
Typische frühe Symptome können sein:
- Wanderröte
- Fieber
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- grippeähnliche Beschwerden
Was viele nicht wissen: Nicht jeder Betroffene entwickelt die klassische Wanderröte.
Einige Menschen erinnern sich nicht einmal an einen Zeckenstich und bringen ihre späteren Beschwerden deshalb nie mit einer möglichen Infektion in Verbindung. Bleibt Borreliose unerkannt, können Gelenke, Nervensystem, Haut und in seltenen Fällen auch das Herz betroffen sein.
Das Problem: Zecken übertragen selten nur einen Erreger
Zecken sind biologische “Sammelstellen” für verschiedene Mikroorganismen. Je nach Region können sie gleichzeitig mehrere Erreger tragen und übertragen.
Dadurch entsteht ein Problem: Wer nur auf Borreliose getestet wird, übersieht möglicherweise weitere Infektionen.
Viele Experten gehen deshalb davon aus, dass Co-Infektionen wesentlich häufiger vorkommen als lange angenommen wurde.
Babesiose: Die Malaria der Zecken
Babesien sind winzige Parasiten, die rote Blutkörperchen befallen. Anders als Borrelien greifen sie direkt das Blutsystem an.
Dadurch können Beschwerden entstehen wie:
- starke Erschöpfung
- Luftnot
- Nachtschweiß
- Schüttelfrost
- Fieber
- Herzrasen
- verminderte Belastbarkeit
Besonders auffällig ist, dass viele Betroffene über ein Gefühl berichten, als hätten sie dauerhaft eine Grippe oder einen Infekt. Während Babesiose in den USA zunehmend Aufmerksamkeit erhält, wird sie in Europa noch vergleichsweise selten diagnostiziert.
Bartonellen: Die oft übersehene Belastung
Bartonellen sind Bakterien, die ursprünglich vor allem durch Katzenkratzkrankheit bekannt wurden. Mittlerweile wird diskutiert, welche Rolle sie auch bei Zeckenübertragungen spielen können.
Mögliche Beschwerden, die mit Bartonellen in Verbindung gebracht werden:
- Nervenschmerzen
- Konzentrationsprobleme
- Brain Fog
- Schlafstörungen
- Angstzustände
- innere Unruhe
- brennende Fußsohlen
- Hautveränderungen
Die Forschung zu chronischen Bartonellen-Infektionen entwickelt sich weiterhin. Viele Fragen sind noch nicht abschließend geklärt. Dennoch berichten zahlreiche Betroffene über Beschwerden, die sich nicht allein durch Borreliose erklären lassen.
Anaplasmen und weitere Co-Infektionen
Neben Borrelien, Babesien und Bartonellen können Zecken auch andere Erreger übertragen.
Dazu gehören unter anderem:
- Anaplasmen
- Ehrlichien
- Rickettsien
- Mykoplasmen
- FSME-Viren
Nicht jeder Erreger verursacht automatisch Symptome. Die Kombination mehrerer Infektionen kann jedoch das Krankheitsbild deutlich komplexer machen.
Warum viele Betroffene jahrelang keine Antworten finden
Das Schwierige an Zeckeninfektionen ist nicht nur die Infektion selbst.
Es sind die oft unspezifischen Symptome.
Viele Betroffene leiden unter:
- chronischer Erschöpfung
- Brain Fog
- Konzentrationsproblemen
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Schlafstörungen
- Nervensystembeschwerden
- Belastungsintoleranz
Diese Symptome können zahlreichen anderen Erkrankungen ähneln. Nicht selten erhalten Betroffene deshalb unterschiedliche Diagnosen, bevor mögliche Infektionen überhaupt in Betracht gezogen werden.
Warum manche Menschen stärker reagieren als andere
Interessanterweise entwickelt nicht jeder Mensch nach einem Zeckenstich schwere Beschwerden.
Forscher vermuten, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen können:
- genetische Unterschiede
- Zustand des Immunsystems
- bestehende Entzündungen
- chronischer Stress
- Umweltbelastungen
- weitere Infektionen
Gerade Menschen mit bereits bestehender gesundheitlicher Belastung scheinen häufig empfindlicher auf zusätzliche Infektionen zu reagieren.
Beobachtungen zeigen, dass vor allem Menschen mit „mold illness“ bzw. einer Schimmelbelastung im Wohnraum äußerst empfindlich auf chronische Erreger reagieren. Demgegenüber konnten zahlreiche Betroffene ihre Symptome ganz ohne Antibiotika-Kuren durch „mold avoidance“ heilen.
Fazit
Borreliose ist nur ein Teil des Bildes. Zecken können eine Vielzahl unterschiedlicher Erreger übertragen, die teilweise ähnliche, teilweise völlig unterschiedliche Beschwerden verursachen. Wer nach einem Zeckenstich oder einem Aufenthalt in der Natur anhaltende Symptome entwickelt und keine Erklärung findet, sollte wissen, dass neben Borreliose auch Co-Infektionen existieren.
Nicht jeder Zeckenstich macht krank.
Aber je mehr Wissen über diese Infektionen vorhanden ist, desto größer ist die Chance, Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen und die richtigen Fragen zu stellen. Denn manchmal liegt die Ursache nicht in einer einzelnen Infektion – sondern in mehreren Erregern, die gemeinsam den Körper belasten.


